Forschung

LOEWE-Schwerpunkt

„Architekturen des Ordnens“



Architekturen des Ordnens“ ist ein auf vier Jahre (2020-2023) angelegtes interdisziplinäres Forschungsprojekt der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Technischen Universität Darmstadt mit dem Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte und dem Deutschen Architekturmuseum als außeruniversitären Partnern. Der Schwerpunkt besteht aus 26 Mitgliedern und widmet sich der Untersuchung von Architektur als einer Kulturtechnik, welche sich sowohl ästhetisch, materiell, räumlich, diskursiv als auch epistemologisch manifestiert.

Dementsprechend ist er nicht nur an der Einflussnahme der Architektur auf gesellschaftliche, kulturelle und wissenschaftlich-technische Praktiken der Ordnungsherstellung interessiert, sondern ebenso daran, wie architektonische Ordnungspraktiken durch Gesellschaft, Kultur und Wissenschaft beeinflusst werden. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Frage, wie diese beiden Sphären interagieren. In Hinblick auf die interdisziplinäre Natur dieses Anliegens, vereint das Projekt architekturhistorische und -theoretische Expertisen, mit geschichts-, kultur- und medienwissenschaftlichen, soziologischen und entwurfstheoretischen Kompetenzen, die durch Perspektiven aus der architektonischen Entwurfs- und Medienpraxis ergänzt werden.

Das am Fachgebiet Architektur- und Kunstgeschichte der TU Darmstadt angesiedelte Teilprojekt B2 „Ordnungskonzepte in der Architekturlehre. Wissensvermittlung und Visualisierungsstrategien“ ist eines von zehn Teilprojekten des LOEWE-Forschungsschwerpunkts.

Das Teilprojekt: Ordnungskonzepte in der Architekturlehre. Wissensvermittlung und Visualisierungsstrategien

Mit der Institutionalisierung der Architektenausbildung zunächst ab 1700 an den Kunstakademien, ab 1800 an den polytechnischen Instituten und seit 1850 an den Technischen Hochschulen musste das Architekturwissen für die immer größer werdende Anzahl an Schülern geordnet und didaktisch aufbereitet werden. Im Mittelpunkt des Teilprojektes steht daher die Frage, wie in der akademischen Architektenausbildung die vielfältigen und sich stetig erweiternden Wissensbestände mithilfe von Lehrbüchern und Lehrsammlungen strukturiert und vermittelt werden. In einem weiteren Schritt wird zu fragen sein, welche Auswirkung die damit einhergehende Kanonisierung von Architekturwissen auf den Entwurfsprozess, die gebaute Umwelt und die Ordnungsvorstellungen der Gesellschaft hat.

Durch die vergleichende Analyse verschiedener Lehrmedien und Lehrkonzepte werden diese Ansätze innerhalb eines Forschungsprojektes von Prof. Dr. Christiane Salge und zwei Dissertationsprojekten von Christina Clausen und Daniela Grotz aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht:

Das Forschungsvorhaben von Prof. Dr. Christiane Salge wird sich mit der Frage nach der Rolle der akademischen Lehrsammlungen in Berlin, München und Wien für die Ausbildung eines architektonischen Kanons im 18./19. Jahrhundert beschäftigen und untersucht den Einfluss, den diese Konstituierung von Wissen auf den Entwurfsprozess der Architekten hatte.

Christina Clausen befasst sich in ihrem Dissertationsprojekt „Die Mobilität von Architekturmedien. Lern- und Lehrmittel der Architekturgeschichte und ihre Vermittlungsstrategien von 1750 bis 1850“ mit Formprozessen und medialen Übergängen zwischen Modellen, Zeichnungen, Stichen und Gemälden. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei die bildmediale Vermittlung der noch im Entstehen begriffenen Architekturgeschichte, die gerade zu Beginn von den individuellen Interessen der Lehrer sowie den repräsentativen Bedürfnissen der neuen staatlichen Institutionen geprägt sind, gleichzeitig aber auch die architekturhistorische Kanonisierung und die Entstehung neuer Wissensordnungen mitgestalten.

Das Dissertationsprojekt von Daniela Grotz untersucht Formen der Entwurfslehre im 20. Jahrhundert. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem Begriff der „Schule“ gewidmet: er soll als methodischer Zugang dienen, um an ausgewählten Fallbeispielen die vielschichtige Wechselbeziehung zwischen Institution, Theorie, Lehre und Praxis darzustellen. Der Begriff wird außerdem als spezifische Ordnungspraktik aufgefasst, mittels derer ein Bezugsrahmen innerhalb des dynamischen inner- und transdisziplinären wie auch sozio-kulturellen Kräftefelds konstruiert wird.

Unter Mitwirkung des Teilprojekts wird 2021 eine Ringvorlesung unter dem Titel „Gebaute Ordnung“, ein Workshop zu „Wissensordnungen in der Architekturtheorie“ sowie 2022 eine Ausstellung zu architektonischen Lehrsammlungen stattfinden.


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