Postdoc

Yona Friedman und Eda Schaurs Selbsthilfe-Manuals für den globalen Süden. Architektur und Nachhaltigkeit im Kontext der Entwicklungshilfe

Motto des CCSK aus “Why a Communication Centre” (1985, S. 69)


Post-Doc-Projekt am Fachgebiet Architektur- und Kunstgeschichte der TU Darmstadt von Dr. Frederike Lausch














Sowohl die Architektur als auch die Stadt- und Regionalplanung waren an Entwicklungspolitiken beteiligt, sei es in Form von reisenden Planungsexpert*innen und Berater*innen, Bildungsprogrammen und der Gründung von Instituten für die Planung in „Entwicklungsländern“, Forschungen zu „Tropical Housing” oder Beiträgen zum United Nations Human Settlements Programme. Eine weitere Verbindung zur Entwicklungshilfe war die Konzeption und Verbreitung von Manuals zur Selbsthilfe mit Planungs-, Bau- und Überlebenswissen, wie die Manuals des Communication Centre of Scientific Knowledge for Self-Reliance (CCSK), die Gegenstand dieses Forschungsprojekts sind. Derzeit wird eingehend erforscht, wie die Beteiligung der Architektur an der „Entwicklung“ des globalen Südens mit wissenschaftlichen, sozialen, wirtschaftlichen und ästhetischen Interessen des globalen Nordens verwoben war. Die CCSK-Manuals, die von dem ungarisch-französischen Architekten Yona Friedman und der deutschen Architektin Eda Schaur in den frühen 1980er Jahren entwickelt und von der United Nations University finanziert wurden, entstehen aus einer allgemeinen Stärkung der Handlungsfähigkeit von Nutzer*innen und der Demokratisierung von Expert*innenwissen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wie kann Planungs- und Bauwissen an Lai*innen vermittelt werden, damit sie ihre gebaute Umwelt selbst gestalten können? Diese Frage steht seit den 1960er Jahren im Mittelpunkt von Architektur- und Stadtplanungsprojekten, als Ideen der Partizipation und Gemeinschaftsplanung diskutiert und erforscht wurden. Die Manuals hängen zudem mit der Erkenntnis einer ökologischen Krise zusammen und sind in einen Diskurs über nachhaltige Planungs-, Bau- und Lebensweisen eingebettet. Das Forschungsprojekt geht der Hypothese nach, dass die in den CCSK-Manuals dargestellte (und romantisierte) Überlebensweise der Slum-Bewohner*innen in „Entwicklungsländern“ als ein Hoffnungsträger für den globalen Norden präsentiert wurde und zwar im Sinne eines alternativen Lebensstils, der besser an ein zukünftiges Leben mit Ressourcenknappheit angepasst ist.

Das CCSK ist insofern eine interessante Fallstudie, als ein Vergleich mit Friedmans Manuals, die sich an Zielgruppen im globalen Norden richten, möglich ist. Das Forschungsprojekt analysiert daher Manuals aus den 1970er und 1980er Jahren, die für Europa und die USA bestimmt sind, sowie CCSK-Manuals, die für „Entwicklungsländer“, vor allem Indien, konzipiert wurden. Im Zentrum steht die Frage, wie das Verhältnis zwischen Expert*innen und Nutzer*innen sowie der Wissenstransfer zwischen globalem Norden und Süden konzeptualisiert wurde. Inwiefern veränderte der Kontext der Entwicklungshilfe die Inhalte und Ausdrucksweisen der Manuals?