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Martin Pozsgai „Germain Boffrand und Joseph Effner. Studien zur Architektenausbildung um 1700 am Beispiel der Innendekoration“, Berlin 2012

Das Buch zeichnet die Ausbildung eines Architekten der Barockzeit im Bereich der höfischen Innenraumgestaltung nach. Martin Pozsgai rekonstruiert den Kompetenzerwerb des Bayern Joseph Effner im Baubüro des französischen Architekten Germain Boffrand zwischen 1708 und 1715 durch eine vergleichende Analyse ihrer Werke. Entscheidende Erkenntnisse ermöglichen insbesondere Archivstudien zur Entstehungsgeschichte der Raumdekorationen in Brüssel, Paris, Lothringen und Bayern sowie die Einbeziehung aller überlieferten Entwürfe.

Zunächst Lehrling bei Boffrand, arbeitete Effner bald als Zeichner für ihn. In die gemeinsame Zeit fielen Umbauten von Pariser Hôtels sowie Aufträge für den Herzog von Lothringen. Effner wurde in dieser Zeit durch Kurfürst Max Emanuel von Bayern finanziert, der Boffrand zuvor in seiner Residenz in Brüssel beschäftigt hatte. 1713 übertrug er Boffrand den Umbau des kurfürstlichen Palais in Saint-Cloud, bei dem Effner die Bauleitung übernahm. Nachdem Max Emanuel nach Bayern zurückgekehrt war, vollendete Effner die Innenausstattung der Schlösser Dachau und Nymphenburg sowie des Neuen Schlosses Schleißheim.

Martin Pozsgai legt für jede der Dekorationsaufgaben – gearbeitet wurde mit Holz, Stuck, Malerei und Textilien – eine auf Archivalien basierende Ausstattungsgeschichte vor. In der vergleichenden Betrachtung der Dekorationssysteme und der Ornamentik werden grundlegende Erkenntnisse über das dynamische Weiterleben von Formen und Ideen im Lehrer-Schüler-Verhältnis gewonnen.


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