Architektur- und Kunstgeschichte an der TU Darmstadt

Eine deutsche Architekturfakultät, an der seit 1869 Kunstgeschichte gelehrt wird, ist eine Besonderheit. Wir sind uns dieser außergewöhnlichen Stellung bewusst und ergreifen die Chance, den hier studierenden angehenden Architektinnen und Architekten die historischen Hintergründe von Bau- und Kunstwerken zu vermitteln. Daraus soll ein Verständnis des Wandels von Architektur erwachsen, das das Bewusstsein für den historischen Kontext schärft und eine kritische Reflexion über gegenwärtige Bauaufgaben ermöglicht.

Unsere Forschungsprojekte spiegeln die Vielfalt der Mitglieder und Assoziierten des Fachgebietes wieder. Architektur erforschen wir über Konzepte und Strategien der Architektenausbildung, gehen der Entwicklung und Neuausrichtung von Bautypen wie Bibliotheken nach, analysieren die Geschichte von Bürokomplexen und suchen grundlegend philosophische Begriffe für die Wahrnehmung von Architektur zu ergründen. Weitere Projekte widmen sich der lokalen Bausubstanz und ihrer Architekturgeschichte, um Darmstadt und seine Bauten vor dem Zweiten Weltkrieg zu verstehen. Gerade in jüngster Zeit, in der ein neuer Historismus auflebt und teilweise unreflektierte Rekonstruktionen entstehen, sehen wir auch die lokale Erforschung von Architektur als wichtige Aufgabe an, um die Debatten um die angebliche „Identität“ eines Ortes fundiert führen zu können. Erst wenn die Zusammenhänge von zeitgenössischer Wahrnehmung von Bauensembles, Gebäuden und dem zeitgenössischen Architekturdiskurs klargelegt werden, kann man darüber sprechen, was eine baukünstlerische Reverenz wirklich bedeutet und mit welchen Folgen man an einen lokalen und historischen Kontext anknüpft und so auch das kollektive Gedächtnis verändert.