Dissertation

Die Mobilität von Architekturmedien. Lern- und Lehrmittel der Architekturgeschichte und ihre Vermittlungsstrategien von 1750 bis 1850

Soane office, Der Ursprung gotischer Architektur in Formen der Natur, Royal Academy Lecture Drawing

Dissertationsprojekt am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt von Christina Clausen

Erstbetreuerin: Univ.-Prof. Dr. Christiane Salge

Der bereits intensiv erforschten Perspektive auf Architekturdarstellungen als Kommunikationsmittel zwischen Architekt und Auftraggeber wird im Rahmen dieses Projektes die Vermittlung zwischen Architekturlehrer und Schüler sowie einer breiteren Öffentlichkeit zur Seite gestellt. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht dabei die Vermittlung der noch im Entstehen begriffenen Architekturgeschichte, die gerade zu Beginn von den individuellen Interessen der Lehrer sowie den repräsentativen Bedürfnissen der neuen staatlichen Institutionen geprägt sind, gleichzeitig aber auch die architekturhistorische Kanonisierung und die Entstehung neuer Wissensordnungen mitgestalten.

Um die praktische Verwendung von Architekturdarstellungen in der akademischen Lehre zu rekonstruieren, sollen Aufzeichnungen von Professoren und Studierenden über die Lehrinhalte von Vorlesungen ausgewertet und mit den jeweils vorhandenen Lehrmittelsammlungen in Verbindung gebracht werden. Hierzu werden Zentren früher architekturgeschichtlicher Lehre fallstudienartig miteinander verglichen. Einige für den Unterricht angefertigte Zeichnungen und Modelle basieren auf eigenen Forschungen und Reisen der Architekturlehrer, häufig werden diese Ergebnisse veröffentlicht und in einen Strom von Architekturbildern eingespeist, die in Europa zirkulierten und an verschiedenen Institutionen als Lehrmittel verwendet wurden. Anhand dieser Beispiele soll versucht werden, die parallele Rezeption von architekturhistorischem Wissen vermittelt durch Bilder zu vergleichen.

Innerhalb des Projektes werden die Formprozesse und medialen Übergänge zwischen den verschiedenen Architekturmedien beschrieben und analysiert. Modelle, Zeichnungen, Stiche und Gemälde bedienen sich ähnlicher Visualisierungsstrategien, setzen sich teilweise aber auch bewusst voneinander ab. Durch ihre Einbindung in verschiedene Sammlungskontexte entstehen bewusste oder unbewusste Objektnachbarschaften, zum Beispiel mit mechanischen Instrumenten, anatomischen Modellen oder Gipsabgüssen. Eine Untersuchung dieser Kontextualisierungen und Präsentationsformen soll den Blick auf Architekturdarstellungen erweitern. Hierbei werden sowohl die Veränderbarkeit dieser kuratierten Ordnungen als auch die Mobilität der Architekturmedien berücksichtigt.