Schreiber_Bibliotheksarchitektur

Amerikanische und deutsche Bibliotheksarchitektur im transatlantischen Dialog. 1850 bis 2015


Habilitationsprojekt am Fachbereich Architektur der TU Darmstadt von Maxi Schreiber

Die Geschichte der Bibliothek als Institution ist gut erforscht, aber die architekturhistorische Untersuchung der Bibliothek ist erst in jüngerer Zeit begonnen worden. Veröffentlichungen, die die Zeit ab dem 19. Jahrhundert in Deutschland und den USA behandeln, liegen kaum vor. Diese Forschungslücke hat zur Folge, dass uns im digitalen Zeitalter, in dem der Raum der Bibliothek neu erdacht wird, das Bewusstsein für die Errungenschaften der Bibliotheksarchitektur fehlt. Die Bibliothek ist in der Stadtlandschaft präsenter denn je und Konzepte, die eine Auslagerung ihrer Bücher vorsehen und die Bibliothek als sozialen Begegnungsort oder individuelles Büro verstehen, sind Argumente heutiger Bibliotheksplanung. Diese Frage spielt insbesondere bei Umbauten von Bibliotheken eine wichtige Rolle. Pläne, wie der Rückbau der Magazine der New York Public Library zugunsten einer Lese-, und Arbeitslounge wurden kontrovers diskutiert und durch das Engagement einer Bürgerinitiative verhindert.

Deshalb ist es notwendig die Errungenschaften des Bibliotheksbaus im transatlantischen Dialog nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Eine architekturhistorische Vergessenheit hat zu einer Rückkehr zur Monumentalität im Bibliotheksbau beigetragen. Diese Wende kann am Beispiel von Staats- oder Universitätsbibliotheken sowie öffentlichen Bibliotheken nachvollzogen werden. Eine architekturhistorische Perspektive klärt die Rolle der Architektur durch den Austausch zwischen Deutschland und Amerika, zwei Vorreitern des Bibliotheksbaus, und soll der Tendenz entgegenwirken, die Bibliothek als universalen Raum zu verstehen dem eine „beliebige“ architektonische Hülle gegeben werden kann.

Mit dieser Problemstellung knüpft das Projekt außerdem an die architekturhistorische Forschung an, die sich mit der Lesbarkeit der Architekturgeschichte in der Stadt beschäftigt. In diesem Sinn leistet das Forschungsprojekt einen Beitrag zum Nutzen der Architekturgeschichte, indem es durch das Beispiel der Bibliotheksbauten erklärt, wie nationale Identität durch Architektur vermittelt und welches Geschichtsbild dabei tradiert wird. Im Bibliotheksbau kann dieser Fragestellung gut nachgegangen werden, denn sowohl die öffentlichen, als auch die Staats- oder Forschungsbibliotheken befinden sich meistens in zentraler Lage und berühren bei ihrer Planung zwangsweise den Umgang mit dem historischen Kontext.


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